Prozessbeschleuniger bei der Grenzkontrolle

Am Flughafen Frankfurt am Main erprobt die Bundespolizei derzeit den Einsatz von Selbstbedienungsterminals, mit denen Reisende aus Drittstaaten selbstständig die Erfassung ihrer Reisedokumente und biometrischen Daten vornehmen sowie Einreisebefragungen elektronisch durchführen können. Erste positive Erfahrungen zeichnen sich ab.

Im Terminal 2 des Flughafens Frankfurt am Main haben Drittstaatsangehörige derzeit die Wahl: Sie können entweder direkt zum Grenzkontrollschalter gehen und am herkömmlichen Einreiseverfahren teilnehmen oder zunächst eines von vier Selbstbedienungsterminals (Kiosksystemen) nutzen, die momentan dort aufgestellt sind.

Dabei handelt es sich um den secunet easykiosk, den die Bundespolizei im Rahmen eines Pilotprojekts gemeinsam mit dem  Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und dem Bundesverwaltungsamt einsetzt. Das Projekt wurde mit Blick auf die Initiative „Smart Borders“ der Europäischen Kommission eingerichtet, die darauf abzielt, die Kontrolle der Schengen-Außengrenzen auch in der Zukunft möglichst sicher und effizient zu gestalten. Geplant sind hierfür ein intelligentes, IT-gestütztes Ein- und Ausreisesystem (Entry/Exit System oder EES) für Drittstaatenangehörige sowie ein Reisegenehmigungssystem (European Travel Information and Authorisation System; ETIAS) für visumbefreite Drittstaatsangehörige.

Ein erstes Pilotprojekt zu Smart Borders in Deutschland fand im Jahr 2015 statt. Damals stellten die beteiligten Behörden erwartungsgemäß fest, dass die geplanten EES-Prozesse die Zeiten für die notwendige Grenzkontrolle deutlich erhöhen werden. Gleichzeitig ging man davon aus, dass sich dieser negative Effekt mithilfe sogenannter „Prozessbeschleuniger“ – d. h. durch eine Teilautomatisierung – ausgleichen oder umkehren lässt und die Grenzkontrolle somit weiterhin sicher, schnell und komfortabel gestaltet werden kann.

Verkürzte Kontrollzeiten

Hier setzt das zweite, aktuelle Pilotprojekt an: Mit dem secunet easykiosk testet die Bundespolizei eine automatisierte Lösung, die es Reisenden erlaubt, die Dokumentenprüfung und die Erfassung biometrischer Daten zur Identitätsprüfung selbstständig vorzunehmen. Zu diesem Zweck enthält der easykiosk einen Passleser, einen Fingerabdruckscanner, eine Gesichtsbildkamera, eine Kamera zur Irisaufnahme und einen Touchscreen, an dem die Reisenden digitale Fragebögen ausfüllen und intuitiv durch den gesamten Prozess geleitet werden. Wenn die Daten erfasst sind, begeben sich die Reisenden zum eigentlichen Grenzkontrollschalter, wo die Beamten die am secunet easykiosk erhobenen Daten nochmals kurz überprüfen.

Für die zentrale Konfiguration und Verwaltung der Kiosksysteme hat die Bundesdruckerei ihr Border Control System (BCS) erweitert. Damit setzen secunet und die Bundesdruckerei ihre erfolgreiche Zusammenarbeit aus dem Projekt EasyPASS, bei dem secunet easykiosk Systeme an deutschen Flughäfen zum Einsatz kommen, fort.

Die Auswertung des Smart Borders Pilotprojekts ist noch nicht abgeschlossen, aber erste positive Tendenzen sind zu erkennen. Die wichtigste Erkenntnis: Die Tests bestätigen, dass die automatisierte Vorerfassung der Daten die Kontrollzeit am eigentlichen Grenzschalter deutlich verkürzt. Auch die Qualität der Grenzkontrolle am Schalter erhöht sich, da sich die Beamten durch den Wegfall der Datenerhebung auf nicht-technische Aspekte, die eigentliche semantische Prüfung des Reisevorganges, konzentrieren können.

Sprachbarrieren fallen weg

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die Selbstbedienungs-Kiosksysteme nicht nur von den Beamten, sondern auch von den Reisenden gut angenommen werden. Auch die Bedienung scheint kein Hindernis für die Reisenden darzustellen: Die Quote erfolgreicher Kiosknutzungen, in denen der Prozess nicht vorzeitig abgebrochen wurde, lag in den ersten beiden Testphasen bei deutlich mehr als 90% und damit über den Erwartungen.

Ein Aspekt, der vor Projektbeginn als eher nebensächlich gewertet worden war, entpuppte sich im Test als echter Nutzbringer: die digitale Erfassung des Einreise-Fragebogens. Die Reisenden können die Daten in ihrer Landessprache eingeben, wodurch Sprachbarrieren mit dem Grenzkontrollbeamten entfallen, die früher mitunter nur umständlich aufgelöst werden konnten.

Aufgrund des positiven Feedbacks der Beamten der Bundespolizei werden die Kiosksysteme zunächst länger eingesetzt als geplant.