E-Government – so einfach wie Online-Shopping

Während manch anderes Land seinen Bürgern längst flächendeckend einfach zu nutzende staatliche Online-Dienste anbietet, kommt der Aufbau eines attraktiven und einheitlichen E-Government-Angebots in Deutschland bisher nur langsam voran. Ein Grund dafür ist, dass Bund, Länder und Kommunen oftmals unabhängig voneinander eigene Angebote erarbeiten. Diese Vielfalt macht es den Nutzern jedoch schwer. Mit dem preisgekrönten Konzept EKONA ist dem Bayerischen Landesamt für Steuern (BayLfSt) nun ein Durchbruch gelungen, der deutlich zur Vereinheitlichung der deutschen E-Government-Landschaft beitragen kann: Die Lösung stellt einen wichtigen Baustein bereit, mit dem es Bürgern und Unternehmen künftig ermöglicht werden kann, mit einem einzigen Account bundesweit verschiedene E-Government-Dienste zu nutzen. Basis dafür ist der seit vielen Jahren bewährte Online-Authentifizierungsdienst der ELSTER-Plattform.

Seit Jahren gibt es Bestrebungen, Deutschland in Sachen E-Government fit für die Zukunft zu machen. So verabschiedete der Bundestag im Jahr 2017 das Onlinezugangsgesetz (OZG), dessen Ziel es ist, die Entwicklung eines bundesweit einheitlichen Angebots behördlicher Online-Dienste zu beschleunigen. Das Gesetz verpflichtet Bund und Länder, ihre Online-Portale zu einem Portalverbund zu verknüpfen, über den dann sämtliche Dienstleistungen für Bürger und Unternehmen erbracht werden.

Geschehen soll dies innerhalb von fünf Jahren – ein Zeitrahmen, den viele für ambitioniert halten. Denn für das neue E-Government-Modell müssen erst noch grundlegende Voraussetzungen geschaffen werden. Dazu gehören einheitliche Nutzerkonten: Um den Aufwand für Bürger und Unternehmen gering zu halten, sollten diese jeweils mittels eines einzigen Nutzerkonto-Accounts auf alle Dienste des Verbunds zugreifen können. Und dafür wiederum ist eine flächendeckend einsetzbare Online-Authentifizierung notwendig.

An diesem Punkt setzt das BayLfSt mit dem Projekt EKONA (ELSTER Konten Identifizierungs- und Authentifizierungsdienst) an. Für eine Online-Authentifizierung im staatlichen Bereich gelten zwei wesentliche Anforderungen: Sie muss ein für Behörden und Kommunen ausreichend vertrauenswürdiges Sicherheitsniveau aufweisen, und sie muss für den Benutzer einfach zu handhaben sein. Diese beiden Punkte erfüllt seit vielen Jahren der Authentifizierungsdienst der ELSTER-Plattform, deren Entwickler und Betreiber das BayLfSt ist. ELSTER ist das größte und wohl erfolgreichste E-Government-Projekt Deutschlands und hat seit dem Start im Jahr 1999 immer wieder Rekorde gebrochen. Im Jahr 2016 wurden bereits 21 Millionen Einkommenssteuererklärungen authentifiziert über die elektronischen Schnittstellen bei der Finanzverwaltung eingereicht.


Sicherer Datenaustausch für Bürger, Behörden und Unternehmen

Für die sichere Authentifizierung der Nutzer mittels Zertifikaten sorgt bei ELSTER der im Jahr 2004 von secunet entwickelte ELSTER Authentifizierungsdienst mit angeschlossenem Trust Center. Die entscheidende Idee für EKONA war es, diesen millionenfach bewährten Dienst als Basis für eine portalübergreifende Authentifizierung zu nutzen. Dafür entwickeln das BayLfSt und secunet derzeit gemeinsam die Schnittstelle für Nutzerkonten KOLIBRI (Konten-Link für Bürger- und Unternehmens-Identitäten). Um die Identitätsdaten der Steuerverwaltungen im Rahmen des ELSTER-Zertifikats für andere E-Government-Dienste – und dementsprechend auch für eine Authentifizierung – nutzen zu können, ermöglicht KOLIBRI einen sicheren Datenaustausch zwischen der Steuerverwaltung und den bundesweit 17 Nutzerkonten der Bundesländer und des Bundes, die derzeit im Auftrag des IT-Planungsrates aufgebaut werden. Potenziell kann die Online-Authentifizierung per KOLIBRI allen Kommunen und Behörden in Deutschland zur Verfügung stehen – und das mit wenig Aufwand.

 

Als Authentifizierungsverfahren „made in Germany“ nutzt KOLIBRI das bewährte Sicherheitsniveau der ELSTER-Plattform und ist somit absolut vertrauenswürdig. Zudem lässt sich das Verfahren für die Bürger komfortabel handhaben: Diese können künftig in ihrem persönlichen ELSTER-Account auf einfache Weise ihr ELSTER-Zertifikat auch für nichtsteuerliche Zwecke freischalten. Im Anschluss nutzen sie für E-Government-Anwendungen Prozesse, die sie ganz ähnlich bereits vom Online-Shopping kennen.

Dafür ist lediglich eine Zertifikatsdatei erforderlich, die gespeichert werden kann und somit überall und jederzeit einsetzbar ist. Weitere Hardware wie etwa Kartenlesegeräte wird dafür nicht benötigt. Nutzer, die für ELSTER bereits jetzt Signaturkarten oder Sicherheitssticks verwenden, werden diese auch im Rahmen von KOLIBRI einsetzen können.